Erstes Date: 9 Ideen, die wirklich funktionieren, und was davor und danach zählt

Beim ersten Date treffen sich selten zwei Menschen. Es treffen sich zwei leicht angespannte Versionen von zwei Menschen, die beide hoffen, dass die andere zuerst locker wird. Der Ort entscheidet mehr darüber, wie schnell das passiert, als die meisten glauben.

Deshalb ist die beste Frage vor einem ersten Date nicht „Wo ist es schön?“, sondern „Wo fällt es uns beiden leicht?“. Das sind zwei völlig verschiedene Listen.

Warum das Restaurant meistens die schlechteste Wahl ist

Leer gedeckter Restauranttisch mit zwei Gedecken
Zwei Stunden an einem Tisch, ohne Ausweg.

Ein Abendessen bindet euch für mindestens zwei Stunden an einen Tisch, an eine Rechnung und an ein Gespräch, das laufen muss. Wenn die Chemie stimmt, ist das großartig. Wenn nicht, sitzt ihr zwischen Vorspeise und Dessert in einer Situation, aus der es keinen höflichen Ausweg gibt, und beide zählen heimlich die Minuten.

Gute erste Dates haben drei Eigenschaften, und keine davon hat mit Romantik zu tun:

  • Sie sind kurz kündbar. Ein Kaffee kann sich in drei Stunden verwandeln. Ein Menü kann sich nicht in zwanzig Minuten verwandeln.
  • Sie haben Nebenbeschäftigung. Etwas zu sehen, zu probieren oder zu kommentieren nimmt Druck aus jeder Pause.
  • Sie sind nicht zu laut. Wer sich zweimal vorbeugen und „Wie bitte?“ fragen muss, verliert den Faden und macht sich Sorgen um seine Stimme statt um das Gespräch.

Die folgenden neun Ideen erfüllen mindestens zwei dieser drei Bedingungen. Sie funktionieren in fast jeder Stadt, weil sie an Orte gebunden sind, die es überall gibt.

Der Kaffee, richtig gemacht

Zwei Kaffeetassen auf einem Cafetisch am Fenster
Noch einen? ist die entspannteste Frage im Dating.

Der Klassiker ist ein Klassiker, weil er funktioniert. Cafés erlauben beiden, das Date jederzeit zu verlängern, ohne dass jemand eine Entscheidung ankündigen muss. „Noch einen?“ ist die entspannteste Frage im deutschen Dating-Wortschatz.

Zwei Details machen den Unterschied. Sucht einen hellen Laden, in dem die Tische nicht zu eng stehen, und einen, der so liegt, dass ihr danach in mehrere Richtungen weiterlaufen könnt. Ein Café in einer Sackgasse beendet den Abend für euch, ob ihr wollt oder nicht.

Der Spaziergang mit einem Ziel

Paar spaziert nebeneinander an einem Kanal entlang
Menschen erzaehlen im Gehen Dinge, die sie am Tisch nicht erzaehlen.

Ein Spaziergang ohne Ziel wird nach zwanzig Minuten zäh, weil beide anfangen, sich zu fragen, wohin das führt. Ein Spaziergang mit einem Ziel hat eine eingebaute Struktur: ein Aussichtspunkt, eine Brücke, ein Kiosk am Wasser.

Der eigentliche Vorteil ist körperlich. Nebeneinander zu laufen ist weniger konfrontativ als sich gegenüberzusitzen, und Blickkontakt entsteht freiwillig statt pflichtbewusst. Menschen erzählen im Gehen Dinge, die sie am Tisch nicht erzählt hätten.

Der Wochenmarkt am Samstagvormittag

Wochenmarkt mit Staenden und Menschen am Vormittag
Auf einem Markt deckt Bewegung jede Gespraechspause zu.

Ein Markt ist ein erstes Date für Leute, die schlecht mit Stille umgehen können. Es gibt permanent etwas zu zeigen, zu probieren und zu kommentieren, und niemand muss ein Thema erfinden.

Vormittags ist außerdem ein unterschätztes Zeitfenster. Es ist unaufgeregter als abends, beide sind wach, und wenn es gut läuft, habt ihr den ganzen Tag vor euch statt nur noch zwei Stunden.

Dazu kommt ein Detail, das kaum jemand einplant: Auf einem Markt bewegt man sich ständig, und Bewegung deckt Gesprächspausen zu. Eine Pause im Gehen fällt niemandem auf. Dieselbe Pause an einem Tisch fühlt sich an wie eine Prüfung.

Die Ausstellung, die nicht zu groß ist

Zwei Besucher vor einem grossen Gemaelde in einer Galerie
Zwei Raeume und danach ein Getraenk schlagen sechs Raeume.

Ein Museum liefert Gesprächsstoff frei Haus, aber die Größe entscheidet. Ein Haus, das man in einer Stunde schafft, ist ideal. Drei Etagen Weltkunst sind ein Marathon, und Erschöpfung ist kein guter Startpunkt.

Achtet auf freie Eintritte. Sie nehmen der Sache das Gewicht, weil niemand innerlich nachrechnet, ob sich der Abend gelohnt hat, und beide können ohne schlechtes Gewissen nach einer Stunde sagen, dass es schön war.

Und traut euch, nicht alles anzuschauen. Zwei Räume und danach ein Getränk sind ein besseres Date als sechs Räume und Rückenschmerzen.

Etwas, das ihr beide nicht könnt

Zwei Menschen an einer Toepferscheibe in einem Kurs
Der Reiz liegt darin, dass ihr beide daran scheitert.

Bouldern, Töpfern, Bogenschießen, ein Tanzkurs für einen Abend. Der Reiz liegt nicht in der Aktivität, sondern darin, dass ihr beide daran scheitert.

Menschen, die sich zusammen ein bisschen lächerlich machen, kommen schneller in einen echten Ton als Menschen, die zwei Stunden lang eine gute Figur abgeben. Wer sich Sorgen macht, sich zu blamieren, hat den Punkt verstanden.

Das Gewächshaus im botanischen Garten

Gewaechshaus mit tropischen Pflanzen im Winter
Draussen sechs Grad, drinnen feuchtwarme Luft.

Fast jede größere Stadt hat einen botanischen Garten, und fast jeder davon hat Gewächshäuser. Zwischen November und März sind sie die beste Idee auf dieser Liste: Draußen sechs Grad und Nieselregen, drinnen feuchtwarme Luft und Pflanzen, die aussehen, als hätte sie jemand erfunden.

Ihr lauft nebeneinander, es gibt alle zwei Minuten etwas zu kommentieren, und der Eintritt liegt fast überall im moderaten Bereich.

Der Flohmarkt

Stand mit Trödel und alten Lampen auf einem Flohmarkt
Fremder Hausrat legt Geschmack und Humor offen.

Gemeinsam durch fremden Hausrat zu laufen und sich gegenseitig die hässlichsten Objekte zu zeigen, legt beiläufig Geschmack, Humor und Preisvorstellungen offen. Kaufen muss man nichts.

Es ist außerdem eines der wenigen Dates, bei denen Peinlichkeit eingebaut ist und trotzdem niemandem gehört. Wer über eine Porzellanfigur lachen kann, kann später auch über Wichtigeres reden.

Die kleine Bar, in der man teilt

Kleine Teller zum Teilen auf einem Bartisch
Teilen erzeugt Gespraech ueber Vorlieben, ohne Fragebogen.

Wenn es doch etwas zu essen sein soll, dann etwas, das man teilt. Tapas, Mezze, kleine Teller. Teilen erzeugt automatisch Gespräch über Vorlieben, ohne dass es sich nach einem Fragebogen anfühlt, und es nimmt die Entscheidung weg, wer was bestellt und was das bedeutet.

Wichtig ist nur die Lautstärke. Eine Bar, in der man sich anschreien muss, ist für ein erstes Date verloren, egal wie gut das Essen ist.

Minigolf, Bowling oder etwas ähnlich Albernes

Minigolfbahn mit Schlaeger und Ball
Wer beim Minigolf gewinnen will, hat den Abend verloren.

Spiele mit Regeln erzeugen Nähe schneller als Gespräche über Arbeit, weil sie beiden eine Rolle geben. Es gibt etwas zu tun, es gibt Anlass zum Necken, und es gibt kleine Momente, in denen man sich freut oder ärgert und dabei ehrlicher aussieht als sonst.

Das funktioniert allerdings nur, wenn beide es nicht ernst nehmen. Wer beim Minigolf gewinnen will, hat den Abend bereits verloren.

Ein Nebeneffekt lohnt die Erwähnung: Bei solchen Dates sieht man ziemlich früh, wie jemand mit kleinen Frustrationen umgeht. Das ist keine Charakterprüfung, aber es ist eine ehrlichere Information als jede Antwort auf die Frage nach den eigenen Schwächen.

Wie lang ein erstes Date dauern sollte

Zwei Menschen verabschieden sich abends an einer Haltestelle
Ein klarer Satz schlaegt drei Tage Funkstille.

Es gibt keine richtige Länge, aber es gibt eine gute Absicht: kurz planen, lang bleiben dürfen. Wer von vornherein einen ganzen Abend verabredet, nimmt beiden die Möglichkeit, sich positiv zu überraschen. Wer neunzig Minuten ansetzt und am Ende vier Stunden bleibt, hat den besseren Abend gehabt, obwohl es derselbe Abend war.

Das hat wenig mit Taktik zu tun und viel mit Druck. Ein offenes Ende erzeugt die stille Erwartung, dass jetzt etwas passieren muss. Ein absehbares Ende erzeugt das Gegenteil, und genau in dieser Entspannung entsteht das, worauf beide eigentlich hoffen.

Praktisch heißt das: Sagt vorher, dass ihr danach noch etwas vorhabt, auch wenn es nur Wäsche ist. Das ist keine Notlüge, sondern eine Höflichkeit gegenüber beiden.

Was ihr vorher schreiben solltet, und was nicht

Die Tage vor dem ersten Treffen entscheiden mehr, als vielen bewusst ist. Wer wochenlang schreibt, baut eine Vorstellung auf, die kein echter Mensch einlösen kann. Zwei bis vier Tage zwischen Match und Treffen sind in der Praxis ein guter Rahmen: lang genug, um sich zu freuen, kurz genug, um sich nicht in eine Fantasie hineinzusteigern.

Beim Ort gilt: Macht einen konkreten Vorschlag statt einer Umfrage. „Hast du Donnerstag um 18 Uhr Lust auf einen Kaffee?“ ist leichter zu beantworten als „Was möchtest du denn gern machen?“. Der zweite Satz klingt höflich und ist in Wahrheit Arbeit, die man abgibt.

Und schreibt dazu, wo genau ihr steht oder wie ihr aussehen werdet. Das spart beiden die ersten drei unangenehmen Minuten.

Was am Abend selbst zählt

Ein paar Dinge, die sich in der Praxis immer wieder bestätigen:

  • Kommt nicht mit einer Liste. Wer sich Fragen zurechtlegt, führt ein Bewerbungsgespräch. Es reicht, ehrlich neugierig zu sein und zuzugeben, wenn man etwas nicht kennt.
  • Erzählt eine Sache zu viel, nicht eine zu wenig. Kleine Unsicherheiten wirken sympathisch, perfekte Fassaden wirken anstrengend. Wer beim ersten Treffen nur die geschliffene Version von sich zeigt, muss diese Version beim zweiten Mal aufrechterhalten.
  • Achtet auf das Tempo der anderen Person. Manche brauchen zwanzig Minuten, um anzukommen. Das ist kein Desinteresse, das ist ein Nervensystem. Wer in dieser Phase nachlegt und noch charmanter wird, macht es meistens schlimmer.
  • Stellt eine Frage weiter, statt sie zurückzugeben. Auf „Und du?“ folgt Höflichkeit. Auf „Warum ausgerechnet das?“ folgt eine Geschichte.

Wie man ein erstes Date beendet

Der Schluss wird am häufigsten vermasselt, und zwar durch Unentschlossenheit. Ein klares „Ich fand das schön, ich melde mich“ ist besser als ein langes Herumdrucksen an der Haltestelle. Es nimmt der anderen Person das Rätselraten ab, und Rätselraten ist der zuverlässigste Stimmungskiller nach einem guten Abend.

Wenn es nicht gepasst hat, gilt dasselbe in freundlich. Ein ehrlicher Satz ist angenehmer als drei Tage Funkstille, auch wenn er sich im Moment schwerer anfühlt.

Und wenn es gepasst hat: Meldet euch früher, als es die alten Regeln vorsehen. Drei Tage zu warten war nie eine gute Idee, sondern nur eine verbreitete.

Am Ende entscheidet über ein erstes Date weniger der Ort als die Frage, ob ihr beide währenddessen entspannt wart. Ein Kaffee an einem hellen Nachmittag hat schon mehr zweite Dates erzeugt als jedes durchdachte Programm. Sucht euch also nicht das beeindruckendste Date aus, sondern das, bei dem ihr am ehesten ihr selbst seid.

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